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Doerry, Martin; Zucht, Monika (Beteiligte)

"Nirgendwo und überall zu Haus"

Gespräche mit Überlebenden des Holocaust
Fotografien v. Monika Zucht
2006. 262 S. m. zahlr. Fotos. 27,5 cm
Verlag/Jahr: DVA; SPIEGEL BUCHVERLAG 2006
ISBN: 3-421-04207-1
Bereich: Geschichte / Sonstiges
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In den vergangenen Jahren reiste Martin Doerry, dessen Buch über das Schicksal seiner jüdischen Großmutter Lilli Jahn in 18 Sprachen übersetzt wurde, quer durch Europa und Amerika, um mit Menschen zu sprechen, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten knapp entkommen sind. Sie gehören zu den letzten Repräsentanten einer untergegangenen Welt des europäischen Judentums, und sie legen hier eindrucksvoll Zeugnis ab über ihre Geschichte, ihren Kampf ums Überleben und darüber, was es für sie bedeutet, Jude zu sein. Die SPIEGEL-Fotografin Monika Zucht begleitet die Texte mit ausdrucksstarken Schwarzweiß-Porträts.

Einleitung / / Aharon Appelfeld: Meine Geschichte ist eigentlich undenkbar / Agnes Sassoon: Ich kann gar nicht hassen / Ernest W. Michel: Warum habt ihr mir das angetan? / Edgar Hilsenrath: Ich glaube, es ist leichter, wenn man glaubt / Peter Gay: Gott ist eine Erfindung / Eva Haas: Ein Schild mit Namen und Nummer um den Hals / Adam Daniel Rotfeld: Am Anfang war das Wort / Heinz Berggruen: Ein wunderbarer Cocktail / Ruth Klüger: Wien schreit nach Antisemitismus / Ivan Klíma: Die Menschen verstummten / Alfred Grosser: Der Begriff Rache ist mir völlig fremd / Inge Deutschkron: Ein Land, wo man Jude war, kein Mensch / Arno Lustiger: Das wird dir niemand glauben / Imre Kertész: Man musste durch die Hölle gehen / Anita Lasker-Wallfisch: Man hofft, solange man atmet / Ralph Giordano: Ein Glücksfall, ein Wunder, ein Mirakel / Georges-Arthur Goldschmidt: Schwarzfahrer des Schicksals / Lenka Reinerová: Ich hatte die Vision einer gerechteren Ordnung / Elie Wiesel: Schuldig sind nur die Schuldigen / Albert O. Hirschman: Nur der Zweifel macht die Menschen stark / Lucille Eichengreen: Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben / Saul Friedländer: Der Judenhass steckt tiefer, als man denkt / Oldr?ich Stránskì: Im KZ ist alles schwarz oder weiß / Lotte Paepcke: Ein Sturz in den Himmel / Gespräche und Fotos. Zeiten und Orte / / Einleitung / Langsam senkt sich ein Schatten über die Erinnerung. Die letzten Überlebenden des Holocaust und der Vertreibung des europäischen Judentums werden bald verstummt sein. / Viele von ihnen haben von ihrem Leidensweg durch die Konzentrationslager, von Flucht und Emigration erzählt, andere haben ihr Leben lang geschwiegen und ihre Erinnerungen für sich behalten oder verdrängt. / Dieses Schweigen wird bald schon die Regel sein. Historiker, Nachgeborene müssen dann berichten. Aber was taugt die Erinnerung aus zweiter Hand? Werden kommende Generationen noch die Dimensionen dieses Jahrtausendverbrechens erahnen können, wenn kein ehemaliger KZ-Häftling, kein Emigrant mehr aus eigener Erfahrung erzählen kann? / Elie Wiesel, der Friedensnobelpreisträger und Überlebende von Auschwitz und Buchenwald, gibt auf diese Fragen im vorliegenden Buch eine optimistische Antwort: Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden. / Doch woher nimmt Wiesel diese Zuversicht? Womit sollen sich die Zeugen der Zeugen in Zukunft legitimieren? Sie mögen noch so kundig sein, es fehlt ihnen das Entscheidende: die unerschütterbare Beweiskraft der eigenen Vita, die Aura des Authentischen. / Andererseits: Eine Alternative gibt es nicht. Die Nachgeborenen müssen sich zwangsläufig dieser großen Verantwortung stellen, sie müssen den letzten Zeugen zuhören und deren Botschaften dann anderen vermitteln, auch wenn ein solches Unterfangen von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation schwieriger werden wird. / Dieser Aufgabe soll auch dieses Buch dienen. In Gesprächen mit 24 Überlebenden werden typische Lebenswege nachgezeichnet typisch, doch sicher nicht repräsentativ für die Biografien des europäischen Judentums im 20. Jahrhundert. Natürlich fänden sich noch viele weitere Muster und Modelle des Überlebens. / Es bleibt in diesen Gesprächen nicht bei der Rekonstruktion, zumal manche der Befragten ihr Leben schon in Memoiren beschrieben haben. Parallel erfolgt stets eine Interpretation des Erlebten, es werden Lehren gezogen, für die Zeitgenossen damals und heute. Außergewöhnliche Erfahrungen schärfen das Urteil, und so wirft jeder Zeuge auch einen kritischen Blick auf die Gegenwart. / Wer zählt zu den in diesem Buch versammelten Überlebenden ? / Selbstverständlich jene, die in den Konzentrationslagern ob nun in Auschwitz, Bergen-Belsen, Dachau oder Buchenwald durch die schrecklichste Prüfung ihres Lebens gingen. Aber auch jene jüdischen Kinder, die von ihr
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Stand: 02.06.2010